Bauligs: Wie Andreas und Markus Baulig mit Coaching-Systemen über 38 Millionen Euro Umsatz machen
By Lukas Uhl ·
38 Millionen Euro Jahresumsatz. Über 9.800 Kunden. Deutschlands am schnellsten wachsende Unternehmensberatung laut Statista und Focus Business. Das sind die Zahlen von Baulig Consulting - einem Unternehmen, das zwei Brüder aus Koblenz in weniger als acht Jahren aufgebaut haben.
Andreas und Markus Baulig sind keine klassischen Unternehmensberater. Kein McKinsey-Background, kein MBA. Stattdessen: Online-Marketing, Facebook-Ads und ein System, das Coaches, Agenturen und Dienstleister zu Premium-Anbietern transformieren soll.
Die Frage ist nicht, ob das Modell funktioniert. Die Zahlen sprechen für sich. Die Frage ist: Was genau ist das System dahinter? Und was davon ist für dein eigenes Business relevant?
Dieser Artikel ordnet ein. Kein Fanboy-Piece, kein Hit-Piece. Sondern eine systemische Analyse dessen, was Baulig Consulting aufgebaut hat - und was DACH-Unternehmer daraus lernen können.
Wer die Bauligs wirklich sind
Der Weg von Null zum Marktführer
Andreas Baulig hat nicht als Coach angefangen. Er hat als Student angefangen - mit einer Plattform namens einserkandidat.de, einem Service für Studenten, den er von 2013 bis 2016 betrieben hat. Über 160.000 Kontakte, 1,3 Millionen Euro Umsatz. Als Freelancer. Ohne Team. Rein über Online-Marketing auf Facebook, YouTube und Instagram.
Das klingt heute normal. 2013 war das radikal. Die meisten deutschen Unternehmer hatten zu dem Zeitpunkt keine Facebook-Seite, geschweige denn einen Lead-Funnel. Baulig hat früher als die meisten verstanden, dass digitale Reichweite monetarisierbar ist - wenn du ein System dahinter baust.
2016 dann die Gründung von Baulig Consulting zusammen mit seinem Bruder Markus. Die Grundidee: Menschen, die bereits Expertise haben - Coaches, Berater, Agenturinhaber - dabei unterstützen, ihre Dienstleistung online zu vermarkten, sich als Premium-Anbieter zu positionieren und ihren Umsatz zu skalieren.
Markus Baulig bringt die operative Seite mit. Während Andreas das Gesicht nach aussen ist, das Marketing macht und auf Social Media präsent ist, kümmert sich Markus um Prozesse, Skalierung und die Firmenstruktur. Diese Rollenverteilung ist kein Zufall. Sie ist Teil des Systems.
Die Firmengruppe hinter Baulig Consulting
Baulig Consulting ist heute nur ein Teil einer grösseren Unternehmensgruppe. Dazu gehören eine Immobilienfirma, vier Software-Unternehmen und ein eigener Verlag - der Deutsche Coaching Verlag. Plus weitere Beteiligungen.
Das ist ein Detail, das die meisten übersehen. Die Bauligs haben nicht einfach ein Coaching-Unternehmen aufgebaut. Sie haben eine Firmengruppe aufgebaut, in der Baulig Consulting der Kern ist, aber bei weitem nicht das einzige Asset.
Das Modell dahinter: Baulig Consulting generiert den Cashflow und die Kundenbeziehungen. Die Software-Firmen liefern Tools für die eigenen Kunden. Der Verlag produziert Content und Medien. Die Immobilien diversifizieren. Jedes Teil der Gruppe verstärkt die anderen.
Das Modell: Wie Baulig Consulting monetarisiert
Die Produkt-Treppe
Baulig Consulting hat keine einzige Einnahmequelle. Sie haben eine sorgfältig aufgebaute Produkt-Treppe, die Kunden von niedrigpreisigen Einstiegsprodukten zu hochpreisigen Programmen führt.
Stufe 1: Content und Reichweite
Der Einstieg ist kostenlos. YouTube-Videos, der Podcast “Die Coaching-Revolution”, Instagram-Content, TikTok. Andreas Baulig hat über 84.000 Follower auf Instagram, über 42.000 auf TikTok und einen Podcast, der zu den grössten im deutschen Business-Segment gehört.
Der Content hat eine klare Funktion: Er zeigt potenzielle Ergebnisse, baut Autorität auf und qualifiziert Leads vor. Jedes Video, jeder Post hat einen Call-to-Action, der zum nächsten Schritt führt.
Stufe 2: Bücher und Niedrigpreis-Produkte
Über den Baulig Shop gibt es Bücher und digitale Produkte zu Themen wie Geschäftsmodell-Aufbau, Coaching-Business und Preisgestaltung. Preise im niedrigen zweistelligen Bereich. Diese Produkte sind keine Profit-Center. Sie sind Qualifizierungs-Werkzeuge. Wer ein Buch kauft, ist ein wärmerer Lead als jemand, der nur ein YouTube-Video geschaut hat.
Stufe 3: Online-Kurse und Trainings
Die Pricing Masterclass, das Geschäftsführer-Training und verschiedene Online-Kurse. Preise im mittleren vierstelligen Bereich. Hier beginnt der echte Umsatz. Die Kurse beinhalten Gruppen-Coaching, Live-Calls und Zugang zu Frameworks.
Stufe 4: Das Excellence-Training
Das Flaggschiff. Exklusiv, selektiv, nur für ausgewählte Unternehmer. 12 Live-Calls pro Woche mit Andreas, Markus und dem Coaching-Team. Die genauen Preise werden nicht öffentlich kommuniziert, aber Berichte sprechen von fünfstelligen Beträgen.
Das Vertriebssystem
Hier wird es interessant - und kontrovers. Baulig Consulting nutzt ein hochsystematisiertes Vertriebsmodell. Der Ablauf:
- Content auf Social Media zieht Interessenten an
- Interessenten buchen ein kostenloses “Beratungsgespräch”
- Im Gespräch wird analysiert, ob der Interessent zum Programm passt
- Bei Eignung wird ein Coaching-Programm angeboten
Das ist an sich ein Standard-Funnel, wie ihn tausende Coaching-Unternehmen nutzen. Was Baulig anders macht: die Systematisierung. Die Verkaufsgespräche folgen einem klaren Skript. Die Einwandbehandlung ist trainiert. Die Abschlussquoten werden gemessen und optimiert.
Dieses System hat auch Kritik auf sich gezogen. Das Handelsblatt berichtete über ehemalige Kunden, die von “Verkaufstheater” und einer “Jetzt-oder-nie”-Strategie sprechen. Verträge im vier- bis fünfstelligen Bereich, die innerhalb von Minuten abgeschlossen wurden. Das Landgericht Frankfurt verhängte eine Strafe wegen Schleichwerbung, nachdem bezahlte Beiträge als redaktionelle Inhalte über den hauseigenen Verlag veröffentlicht worden waren.
Das muss man einordnen. Aggressive Vertriebstaktiken sind in der Coaching-Branche weit verbreitet - nicht nur bei Baulig. Das macht sie nicht besser. Aber es zeigt, dass das Problem systemisch ist und nicht spezifisch für ein einzelnes Unternehmen.
Die Zahlen im Detail
Die Umsatzentwicklung von Baulig Consulting zeigt das Wachstum:
- 2021: ca. 25,8 Millionen Euro
- 2022: ca. 30,1 Millionen Euro
- 2023: ca. 38 Millionen Euro (laut Eigenangabe)
Das ist ein durchschnittliches jährliches Wachstum von rund 21 Prozent. In einer Branche, die von Einzelkämpfern und kleinen Teams dominiert wird, ist das aussergewöhnlich. Die Mehrzahl der Coaching-Unternehmen in Deutschland macht unter einer Million Euro Umsatz pro Jahr.
Was den Erfolg der Bauligs ausmacht
1. System vor Talent
Der grösste Unterschied zwischen Baulig und den meisten Coaching-Anbietern: Baulig hat ein System gebaut, das nicht von Einzelpersonen abhängt. Ja, Andreas ist das Gesicht. Aber das operative Geschäft - Vertrieb, Coaching-Delivery, Content-Produktion - läuft über Prozesse und Teams.
Die 12 Live-Calls pro Woche im Excellence-Training werden nicht alle von Andreas persönlich geführt. Es gibt ein Coaching-Team. Es gibt standardisierte Frameworks. Es gibt dokumentierte Prozesse für jeden Schritt.
Das bedeutet: Das Unternehmen skaliert nicht über die Zeit einer einzelnen Person. Es skaliert über ein System, das replizierbar ist. Das ist der fundamentale Unterschied zu einem typischen Coach, der Zeit gegen Geld tauscht.
2. Produkt-Treppe statt Single-Offer
Viele Coaches haben ein Angebot. Baulig hat eine Treppe. Vom kostenlosen YouTube-Video bis zum fünfstelligen Excellence-Programm gibt es für jeden Punkt in der Customer Journey ein passendes Produkt.
Das hat zwei Effekte: Erstens steigt der Customer Lifetime Value massiv. Ein Kunde, der mit einem 20-Euro-Buch einsteigt, kann über Monate und Jahre zum Excellence-Teilnehmer werden. Zweitens reduziert es das Risiko. Wenn ein Produkt schwächelt, fangen die anderen es auf.
3. Content als Maschinenraum
Die Content-Strategie der Bauligs ist keine Nebensache. Sie ist der Motor des gesamten Geschäfts. YouTube, Podcast, Instagram, TikTok - jede Plattform wird bespielt, aber nicht zufällig.
YouTube-Videos liefern tiefe Inhalte, die Vertrauen aufbauen und Expertise demonstrieren. Der Podcast “Die Coaching-Revolution” erreicht eine engagierte Hörerschaft und positioniert die Bauligs als Thought Leader im deutschsprachigen Raum. Instagram und TikTok liefern Reichweite und Kurzformat-Content, der neue Zielgruppen erschliesst.
Der Schlüssel: Jedes Content-Piece hat eine Funktion im Gesamtsystem. Es gibt keinen Content um des Contents willen. Alles führt irgendwann zum Beratungsgespräch.
4. Nische mit Hebelwirkung
Die Bauligs coachen nicht jeden. Sie coachen Coaches, Berater und Agenturinhaber. Das ist eine strategisch brillante Nische, weil sie einen eingebauten Netzwerkeffekt hat.
Wenn dein Kunde erfolgreich wird, wird er zum Testimonial. Wenn ein Coach durch Baulig von 5.000 auf 50.000 Euro Monatsumsatz skaliert, ist das eine Geschichte, die andere Coaches anzieht. Jeder erfolgreiche Kunde wird zum Marketing-Asset.
Ausserdem: Die Zielgruppe versteht den Wert von Coaching, weil sie selbst Coaching verkauft. Du musst nicht erklären, warum jemand für Beratung bezahlen sollte. Die Zielgruppe weiss das bereits.
Was DACH-Businesses davon lernen können
Lektion 1: Revenue braucht ein System, kein Produkt
Die wichtigste Lektion aus dem Baulig-Modell hat nichts mit Coaching zu tun. Sie hat mit Systematisierung zu tun.
Die meisten DACH-Unternehmen - ob SaaS, Agentur, E-Commerce oder Dienstleister - haben Produkte. Was sie nicht haben, ist ein System, das diese Produkte systematisch in Revenue verwandelt. Sie haben keinen dokumentierten Vertriebsprozess. Keine definierte Customer Journey. Keine Produkt-Treppe, die den Kunden von A nach Z führt.
Baulig hat gezeigt, dass ein mittelmässiges Produkt mit einem exzellenten System mehr Revenue generiert als ein exzellentes Produkt ohne System. Das ist keine Wertung über die Qualität von Baulig-Programmen. Es ist eine Beobachtung über den Hebel von Systematisierung.
Wenn du dir eine Sache von Baulig abschaust, dann diese: Dokumentiere deinen Vertriebsprozess. Definiere deine Customer Journey. Baue eine Produkt-Treppe. Mach Revenue zu einem System statt zu einem Zufall.
Lektion 2: Content ist kein Marketing-Kanal, sondern Infrastruktur
Viele Unternehmen behandeln Content wie einen Marketing-Kanal unter vielen. Mal ein LinkedIn-Post, mal ein Newsletter, mal ein Blog-Artikel. Ohne Strategie, ohne System, ohne Ziel.
Baulig behandelt Content wie Infrastruktur. Jedes Video, jeder Podcast, jeder Social-Media-Post hat eine klare Funktion: Lead-Generierung, Vertrauensaufbau oder Qualifizierung. Nichts passiert zufällig.
Das Ergebnis: Baulig muss keine kalte Werbung schalten, um Leads zu generieren. Der Content macht das. Jeden Tag. Automatisch. Das ist der Unterschied zwischen Content als Kostenstelle und Content als Revenue-Treiber.
Für dein Business bedeutet das: Frag dich nicht “Soll ich einen Podcast starten?” oder “Brauche ich TikTok?”. Frag dich: “Was ist die Funktion jedes Content-Pieces in meinem Revenue-System?” Wenn du diese Frage nicht beantworten kannst, ist dein Content eine Kostenstelle.
Lektion 3: Skalierung ist ein Architektur-Problem
Baulig Consulting hat nicht skaliert, weil Andreas Baulig härter gearbeitet hat. Er hat skaliert, weil er sich aus dem operativen Geschäft herausgebaut hat. Coaching-Team statt Einzel-Coaching. Standardisierte Frameworks statt individuellem Ad-hoc-Coaching. Vertriebsteam statt eigene Verkaufsgespräche.
Das ist die Lektion, die die meisten Solopreneure und kleinen Unternehmen nicht hören wollen: Dein Business wird nicht durch mehr Arbeit grösser. Es wird durch bessere Architektur grösser. Durch Systeme, die ohne dich funktionieren. Durch Prozesse, die replizierbar sind.
Jedes DACH-Business, das über die Ein-Millionen-Euro-Marke hinauswachsen will, muss diesen Shift machen. Von “ich mache alles selbst” zu “ich baue ein System, das Ergebnisse liefert”. Das ist kein Luxury-Problem für grosse Firmen. Das ist die Grundvoraussetzung für Wachstum.
Lektion 4: Transparenz und Kritikfähigkeit als Wachstumshebel
Ein Aspekt, den man bei Baulig kritisch betrachten muss: Der Umgang mit Kritik. Die Handelsblatt-Berichte über aggressive Vertriebstaktiken und die Schleichwerbungs-Strafe sind keine Kleinigkeiten. Sie zeigen, wo das System seine Grenzen hat.
Für dein Business ist die Lektion: Aggressiver Vertrieb funktioniert kurzfristig. Langfristig zerstört er Vertrauen. Die nachhaltigsten Revenue-Systeme basieren auf Transparenz - über Preise, über Erwartungen, über Ergebnisse.
Wenn du ein Revenue-System aufbaust, dann eines, das auf echtem Vertrauen basiert. Nicht auf FOMO und Druck. Der kurzfristige Umsatz aus Pressure-Sales ist den langfristigen Reputationsschaden nie wert.
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Fazit: System schlägt Talent - aber nur mit Integrität
Die Bauligs haben etwas aufgebaut, das in der deutschen Coaching-Landschaft einzigartig ist: ein skalierbares System, das über 38 Millionen Euro Jahresumsatz generiert. Nicht über ein einzelnes Produkt, sondern über eine durchdachte Architektur aus Content, Produkt-Treppe, systematischem Vertrieb und operativer Skalierung.
Die Kritik an aggressiven Verkaufstaktiken und Schleichwerbung ist berechtigt und zeigt die Grenzen des Modells. Aber die strukturellen Lektionen dahinter sind für jedes DACH-Business relevant:
- Revenue ist ein System, kein Zufall
- Content ist Infrastruktur, kein Marketing-Kanal
- Skalierung erfordert Architektur, nicht mehr Arbeit
- Transparenz schlägt Druck - immer
Die Frage ist nicht, ob du das Baulig-Modell 1:1 kopieren solltest. Das solltest du nicht. Die Frage ist: Hast du ein System, das dein Revenue vorhersehbar und skalierbar macht? Oder verlässt du dich auf Zufall, Empfehlungen und Hoffnung?
Wenn du ehrlich bist und die Antwort “Nein” lautet, dann ist jetzt der Zeitpunkt, das zu ändern.
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